Quelle: Ausgabe #73 | Juni 2009 | Serie

Personen der Weltgeschichte

Johann Baptist Alzog

Am 29. Juni 1808 erblickte Johann(es) Baptist Alzog in der Kreisstadt Ohlau, Bezirk Breslau, das Licht der Welt. Der Sohn eines Rotgerbermeisters besuchte das Gymnasium in Brieg und studierte Theologie und Philosophie an den Universitäten Breslau und Bonn. Von 1830 bis 1834 war er in Aachen als Hauslehrer tätig und empfing am 4. Juli 1834 die Priesterweihe in Köln. 1835 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. 1836 wurde Alzog als Professor der Kirchengeschichte und Exegese an das Clericalseminar in Posen, dieses wurde damals neu strukturiert und sollte mit Hilfe deutscher Professoren auf ein höheres Niveau gebracht werden, berufen. Die Verteidigung des Erzbischofs von Gnesen und Posen, Martin von Dunin, der im Streit um die konfessionellen Mischehen gerichtlich verurteilt und von der Preußischen Regierung abgesetzt wurde, schadete seiner beruflichen Karriere.

Als der damals die Erzdiözese leitende Bischof Koadjutor und spätere Erzbischof Johannes von Geissel sich 1843/44 für die Berufung Alzogs auf den Lehrstuhl für Kirchengeschichte der Katholischen-Theologischen Fakultät der Universität Bonn einsetzte und ihn als besten katholischen Kirchenhistoriker nach Döllinger bezeichnete, lehnte ihn Johann A.F. Eichhorn, der damals zuständige preußische Minister, aufgrund seiner Haltung im Mischehestreit ab.

Alzog wechselte so nach Hildesheim, wo er 1844 Domkapitular wurde und 1845 die Ämter eines Professors und des Vize-Regens des Priesterseminars übernahm und verblieb dort neun Jahre. Aufgrund seiner Zusage in Hildesheim, trat er als aussichtsreicher Bewerber für den Kirchengeschichtlichen Lehrstuhl an der Universität in Freiburg im Breisgau, der ihm lieber gewesen wäre, zurück.

Alzog wurde 1848 zum Regens befördert, nahm in demselben Jahr als Berater des Hildesheimer Bischofs Jakob Joseph Wandt an der besonders für die Neuregelung des Verhältnisses von Kirche und Staat wichtigen Würzburger Bischofskonferenz teil und ein Jahr später stand sein Name auf der Liste für die Neubesetzung des Hildesheimer Bischofsstuhls.

Was ihm in Bonn und Preußen versagt blieb, folgte dann 1853: die Ernennung zum Professor an einer deutschen Universität. Am 4. März 1854 hielt er an der Universität in Freiburg im Breisgau seine Antrittsvorlesung als Kirchenhistoriker und wirkte dort bis zu seinem Tod 25 Jahre später mit großem Erfolg. Zusammen mit dem angesehenen Professor Johann Joseph Ignaz Döllinger und dem späteren Bischof von Speyer, Abt Daniel Bonifaz Hanenberg, lud er die „Vertreter der katholischen Wissenschaft, geistlichen und weltlichen Standes aus allen Gebieten des Wissens, welche mit der Religion und Theologie in irgendeiner Wechselwirkung stehen“ im Jahre 1863, zu einer dann in München durchgeführten Versammlung ein. Johann Baptist Alzog wurde eines der leitenden Mitglieder des Ausschusses der Tagung, die dem wissenschaftlichen Gedankenaustausch dienen und das Zusammenfinden der unterschiedlichen Meinungen in Kirchenpolitischen Fragen befördern sollte. Die Gegensätzlichkeiten zwischen den „deutschen“ und den „römischen“ Theologenschulen, zwischen kirchenpolitisch liberalen und Ultramontanen, konnten allerdings nicht beigelegt werden und verschärften sich, im Zuge der Entwicklungen in Rom, in der Folgezeit. Der damalige Breslauer Kirchengeschichts-Professor und spätere erste Bischof der altkatholischen Kirche Joseph Hubert Reinkens, gehörte zu den engagierten Tagungsteilnehmern.

Großenteils beruhte Alzogs Ansehen auf seinen Veröffentlichungen und besonders auf den viel beachteten, wirkmächtigen Büchern.

Sein wissenschaftliches Hauptwerk „Universalgeschichte der christlichen Kirche vom katholischen Standpunkte“ erschien bereits im Jahr 1841, während seiner Posener zeit. Das Werk, das bis 1872 unter wechselnden Titel neun Auflagen erreichte, bezog die neuste Kirchengeschichte mit ein und zeichnete sich durch viele Details aus.

In der 1872 erschienenen neunten Auflage, die in acht Sprachen ( u.a. Englisch, Französisch und Polnisch) übersetzt wurde, informierte Alzog auch über das erste Vatikanische Konzil von 1896/70, wo er als nach Rom gerufener Konsulator teilgenommen hatte.

1857 gründete er das Freiburger Katholische Kirchenblatt und redigierte die ersten zwei Jahre. Er verzichtete auf der Freiburger Erzbischofsstuhl für dessen Neubesetzung Alzog 1874 im Gespräch war. Seine Bemühungen um den Zusammenschluss katholischer Wissenschaftler wurden 1876 bei der ersten Generalversammlung der Görres Gesellschaft in Frankfurt am Main durch die Wahl in das Ehrenpräsidium anerkannt.

Im Alter von 65 Jahren starb Johann Baptist Alzog am 1. März 1878 in Freiburg.